Kurz gesagt: Ja, bei der Herstellung von ganz normalem Wein können Gelatine, Hühnereiweiß, Fischblase oder Milcheiweiß zum Einsatz kommen. Sie klären den Wein und werden danach wieder entfernt. Auf dem Etikett stehen müssen sie meistens nicht. Sicher vegan ist ein Wein deshalb nur, wenn es draufsteht.
Die Auflösung: alle vier
Gelatine, Fischblase, Hühnereiweiß und Milcheiweiß. Alle vier können in die Herstellung eines ganz normalen Weins wandern. Ich hatte davon keine Ahnung. Und ich koche seit Jahren mit Rotwein.
Warum kommt so etwas in den Wein?
Junger Wein ist oft trüb. Darin schweben winzige Teilchen aus Hefe, Traubenhaut und Eiweiß. Rotwein kann außerdem zu herb sein, weil er viele Gerbstoffe enthält. Damit er klar und rund wird, gibt der Winzer ein Mittel hinzu, an dem diese Teilchen hängen bleiben. Zusammen sinken sie zu Boden, der klare Wein wird abgezogen oder gefiltert. Das nennt sich Schönung.
Die klassischen Schönungsmittel sind tierisch:
- Gelatine
- Hühnereiweiß, vor allem bei kräftigen Rotweinen, um die Gerbstoffe weicher zu machen
- Hausenblase, das ist getrocknete Schwimmblase von Fischen
- Kasein, ein Eiweiß aus Milch
Im fertigen Wein ist davon meist nichts mehr nachweisbar. Für Menschen, die vegan leben, zählt aber auch, womit der Wein gemacht wurde.
Steht das nicht auf dem Etikett?
Meistens nicht. Seit Dezember 2023 brauchen neu hergestellte Weine in der EU zwar eine Zutatenliste. Die steht aber oft nur hinter einem QR-Code. Und Hilfsstoffe, die wieder entfernt werden, gehören nicht hinein. Gelatine und Fischblase musst du also nirgends finden.
Eine Ausnahme gibt es: Bleiben Reste von Ei oder Milch im Wein, muss das angegeben werden, weil beides Allergene sind. Und zwar direkt auf dem Etikett.
Woran erkennst du veganen Wein?
- Am Hinweis „vegan“ oder an einem Vegan-Siegel auf dem Etikett, zum Beispiel dem gelben V-Label oder der Sonnenblume der Vegan Society.
- Im Weinladen oder Onlineshop: Viele haben einen Filter oder eine eigene Ecke für vegane Weine.
- Beim Winzer direkt: Einfach fragen. Die meisten erzählen gern, wie sie arbeiten.
Steht nichts drauf, heißt das übrigens nicht, dass der Wein tierische Mittel gesehen hat. Es heißt nur, dass du es nicht weißt.
Wie geht es ohne?
Statt tierischer Mittel nehmen viele Winzer Bentonit, eine Tonerde, oder Eiweiß aus Erbsen oder Kartoffeln. Auch Aktivkohle wird eingesetzt. Oder sie lassen dem Wein einfach Zeit, bis sich die Trübstoffe von allein absetzen. Das dauert länger, geht aber auch.
Was heißt das für die Küche?
Wenn du vegan kochst, schau beim Kochwein genauso hin wie beim Trinkwein. Ein Schuss Rotwein ist in vielen Soßen der Moment, in dem es richtig gut wird. Zum Beispiel in meiner Hackpfanne: Erst Tomatenmark und STRANDBY in der Pfanne anrösten, dann mit Rotwein ablöschen. Der Wein löst alles, was am Pfannenboden angesetzt hat.
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